Geschichte Erfinden

Es scheint klar zu sein: Geschichte, das ist das Vergangene, das nicht mehr Änderbare, das mit seinen Folgen zu Ertragende! Moderne Wissenschafts- und Erkenntnistheorien mit konstruktivistischer Ausrichtung haben aber aufgezeigt, dass geschichtliche Fakten etwas theoriegeleitet Gemachtes sind, wie es schon der lateinische Wortstamm facere = machen anzeigt.Auch für das Historische gilt also: „Als guter Realist muss ich alles erfinden.“ (Alexander COLVILLE).
Deshalb also >Transplantation into History <, um Geschichte zu re-animieren oder sogar neu zu erfinden. In den Werken von Judith WALGENBACH geschieht dies durch Montieren eigener Arbeiten in historische Bilder und Karten. Erschaffen werden so neue Welten, indem Geschichte, Gegenwart und Zukunft in ein intensives Wechselspiel miteinander gebracht werden. Dabei verändern und entwickeln sich Geschichte und Gegenwart gegenseitig, das Historische wird moderner, das Moderne historischer.
Bei dem ausgesuchten historischen Material handelt es sich um Bilder aus Experimentierbüchern, Labornachrichten, Lehrbücher zum naturwissenschaftlichen Unterricht usw. Bildtheoretisch gesehen geht es um Offenlegung der Übersetzungsprozesse zwischen historischen Bildern und aktuellen eigenen Werken sowie um Informationsveränderungen bei der Entwicklung einer >Utopischen Historiography<..
Ein paradigmatisches Beispiel ist die Grafik Atlantis. Die Suche nach  Atlantis - zuerst diskutiert in  PLATOs Dialogen >Kritias and Timaios<  - hat Generationen von Wissenschaftlern und Künstlern inspiriert. Judith WALGENBACHs Atlantis geht aus von einer Zeichnung, die in einer Ausgabe einer Nova Atlantis von Francis Bacon zu finden ist. Dort sind Phänomene zu bewundern wie brennendes Feuer im Wasser, die Kunst des Fliegens odr die Entsazung von Meereswasser. Es sind also z der Zit noch nicht existierende, utopische Erfindungen antizipiert.
Diese Karte ist für Judith WALGENBACH Ausgangspunkt für die fiktive Geschichte eines idealen Staates. Bestimmte Bedeutungen und Details wurden aus der Karte entfernt und neue hinzugefügt. Zum Beispiel wurden alle Gebäude retouchiert und ersetzt durch eigene Architekturenmod, die zuerst nur als Zeichnungen und später als Modelle existierten. Die Ergebnisse erscheinen jetzt als Teile einer Photogalerie von fiktiven dokumentarischen Bildern.
<Transplantation into History< ist nur ein, auf die Vergangenheit gerichtetes Forschungsfeld von Judith WALGENBACH. In dem Forschungsfeld „Fuzzificating the common“ wird die Gegenwart, speziell das Alltagsleben thematisiert, dessen auf der Grundlage Traditioneller Logik produzierte Klarheit und Sicherheit gestört und für Neuorganisationen mit Mitteln neuer, komplexerer Logik wie etwa der Fuzzy Logic zugänglich gemacht wird. Im daran anschließenden Forschungsfeld  >Morphing the real to the impossible< wird die Transformation von Gegebenem in Utopisches durchgespielt. >Each one a researcher< schließlich fungiert als Programm für Social Art–Projekte, in denen vor allem bildungsferne Gesellschaftsmitglieder an moderne Entwicklungen in Kunst und Wissenschaft herangeführt werden, um ihr eigene Lebensgestaltung zu reflektieren und zu bereichern.